"Geschraubt" wird eigentlich immer
In seiner Werkstatt fühlt sich Franz Koob am wohlsten. Wenn er mit Schraubenschlüssel, Flex, Schweißgerät oder Lötkolben am Werk ist, ist er ganz in seinem Element. Der 56-jährige Fürther ist ein Autoschrauber aus Leidenschaft. Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Jünger Am Anfang war ein Autowrack, das ausgeschlachtet und verrostet auf dem Heuboden seiner Verschrottung harrte. Das Schicksal wollte aber, dass die Karosserie des Fiats X1/9 Five-Speed, Baujahr 1982, nicht den Gang auf den Schrottplatz antreten musste, sondern den Weg von Österreich, fast an der tschechischen Grenze, in den Odenwald, genauer gesagt nach Fürth, fand. Dort entsteht nun daraus ein mit modernster Technik ausgestatteter Rallye-Wagen, der an Ostern auf dem Hockenheimring seine Feuertaufe erleben soll. Dass das traurige Überbleibsel des Fiats nicht in der Schrottpresse endete, ist Franz Koob zu verdanken. Der Fürther, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und zudem als Rallye- und Bergrennfahrer einige beachtliche Erfolge vorweisen kann, baut seine Wagen schon seit vielen Jahren von Grund auf komplett selbst zusammen. Nachdem er in den vergangenen Jahren seinen 128er Fiat Coupé über die Rennstrecken gejagt hat, widmet er sich nun in jeder freien Minute nach Feierabend dem Aufbau seines neuen Wagens. Ohne Konzept geht’s nicht Wenn man vor der nackten Karosserie steht, kann man sich als Laie kaum vorstellen, wie man daraus einen Rennwagen mit allem erforderlichen Interieur zusammenbasteln kann. "Ohne ein genaues Konzept geht das auch nicht", macht Franz Koob deutlich, dass vor der eigentlichen Arbeit die Planung steht, die bis ins kleinste Detail gehen muss. Denn ein Teil greift in das andere, ein Schritt folgt auf den nächsten. Dank seiner Kontakte aus fast 40 Jahren in der Rallye- und Bergrennszene ist er an die Karosserie gekommen. Ein Fahrerkollege aus Österreich suchte einen neuen Wagen, worauf ihm der Fürther seinen 128er Coupé - quasi im Tausch gegen den X1/9 - anbot. "Einen neuen selbst aufzubauen, war ihm zu viel Arbeit war", erklärt Franz Koob. Er selbst wollte seine Motorleistung aufrüsten, dafür war aber der 128er Fiat zu klein war. Ende September wurde der X1/9 aus Österreich angeliefert. "Das hat schon schlimm ausgesehen, beispielsweise war der Boden völlig durchgerostet", erinnert er sich an die erste genaue Besichtigung des "Rohmaterials". Und dann ging die Arbeit los. Zunächst mussten die ganzen verrosteten Stücke herausgetrennt und durch neue Teile, die Franz Koob selbst anfertigte, ersetzt werden. Zudem sollte der Wagen verbreitert werden. Dafür ließ er sich die entsprechenden Teile sowie die neue Motorhaube, neue Türen und das neue Dach von einer Spezialfirma aus Belgien aus Kunststoff herstellen. Diese wurden dann am "Rohbau" festgenietet. Bis Ende November musste die neue Karosserie fertig sein, denn dann stand der Einbau der Fahrgastzelle auf dem Programm, den er bei der Firma Heigo in Würzburg vornehmen ließ. In den Tagen davor geriet er immer mehr unter Zeitdruck. "Da mussten wir richtig hinlangen, um den Termin einhalten zu können", schildert er. So gingen ihm dann auch seine Frau Gerit und sein Sohn Sven zur Hand, und oftmals brannte - auch samstags und sonntags - bis Mitternacht noch das Licht in der Werkstatt, weil die Koobs noch am "Schrauben" waren. Doch sie schafften es und konnten den Wagen termingerecht nach Würzburg bringen. In den folgenden drei Wochen bereitete Franz Koob die komplette Elektrik vor. Diese baute er dann während der Betriebsferien "zwischen den Jahren" ein, da er hier die erforderliche Ruhe dazu hatte. Schließlich muss jedes Detail stimmen, damit es später keine Probleme gibt. "Da lasse ich dann auch niemand anderen dran", erklärt er. Nach einem Vierteljahr Arbeit ist von der ursprünglich Schrottkarosserie nichts mehr zu erkennen. Wo vorher ein abgestumpftes Gelb zu sehen war, glänzt nun ein aufpoliertes kräftiges Rot. Die Fahrerkabine ist mit den erforderlichen Übersturzbügeln versehen, der Fahrersitz eingebaut worden. Der ehemalige Kofferraum wird nun für den Einbau des komplett neu überarbeiteten Motors vorbereitet. "Ein Heckantrieb bringt einfach mehr Druck auf die Straße", war er mit dem Frontantrieb im 128er Coupé nicht zufrieden. Und schon wieder drängt die Zeit, denn in zwei Wochen soll das Fahrwerk eingebaut werden. Danach wird der Wagen lackiert und die Fensterscheiben kommen rein, die er bei einer Spezialfirma anfertigen lässt. Die Schablonen dafür hat er schon angefertigt. Aus Italien kommt der Zylinderkopf, bei Suzuki in den USA hat er den Kolben bestellt und aus England wird die Kurbelwelle angeliefert - eine internationale Zusammensetzung. Die meisten Teile sind aber Marke Eigenbau. So hat er den Tank ebenso wie den Kühler selbst hergestellt, und auch die Heckklappe hat er selbst entwickelt und zusammengeschweißt. Und so setzt sich der neue Rennwagen Stück für Stück, Woche für Woche weiter zusammen. Gewiss könnte er es sich einfacher machen und ein fertiges Auto kaufen, doch das würde den finanziellen Rahmen sprengen. So kommt er mit gut 15 000 Euro Materialkosten aus - die Arbeitszeit darf man da aber nicht rechnen. Doch wenn er in seiner Werkstatt am "Schrauben" ist, versinkt Franz Koob ganz in seiner eigenen Welt. Da macht es ihm auch nichts aus, wenn der Uhrzeiger sich wieder einmal auf Mitternacht zubewegt. Und dies wird in den nächsten Wochen öfter der Fall sein, denn an Ostern soll die erste Testfahrt erfolgen und eine Woche später steht der Start der neuen Bergrennsaison in Luxemburg auf dem Programm. "Irgendwie kriegen wir das schon hin", murmelt er, nimmt den Schlüssel und schraubt weiter . . . |